Jetzt steht die Umsetzung an

Ein Jahr Zukunftsprozess „Schwarzwaldverein 2030“
Auf der Delegiertenversammlung 2016 in Engen haben die Vertreter der Ortsgruppen mit großer Mehrheit dafür gestimmt, einen planvollen und gut strukturierten Vereinsentwicklungsprozess zu beginnen. Gut ein Jahr später, Ende Juni 2017 bei der Delegiertenversammlung in Weil der Stadt, war es also an der Zeit, kurz inne zu halten und auf das im vergangenen Jahr Erreichte zurückzublicken.
Clemens Bieniger, Bürgermeister a.D. und Mitglied der 2030-Lenkungsgruppe, moderierte dazu ein Gespräch mit Präsident Georg Keller, Hauptgeschäftsführer Mirko Bastian und Martin Müller, dem externen Berater aus Stuttgart. Hier wurde deutlich, dass die Vereinsführung sehr zufrieden ist mit dem Prozessverlauf, dass das Format der Beteiligung richtig gewählt war und von den Mitgliedern des Schwarzwaldver
eins angenommen wurde. Für Georg Keller steht nun fest, dass „strukturelle Veränderungen auf den Verein zukommen werden. Das beginnt beim Präsidium und wird auch die Bezirke und die Ortsgruppen betreffen. Wir müssen unsere Kräfte bündeln, besser kooperieren und Synergien schaffen.“ Mir
ko Bastian präzisierte dies mit deutlichen Worten: „Wenn wir es schaffen, die Solidargemeinschaft des Schwarzwaldvereins zu stärken und als EIN Verein zu handeln, dann haben wir auch eine gute Zukunftsprognose. Wenn wir das aber nicht schaffen und das Kirchturmdenken überhand nimmt, dann werden wir uns mittelfristig selbst abschaffen.“ Martin Müller knüpfte daran an und erklärte, dass der notwendige Vereinsumbau mit einer gewissen Professionalisierung einhergehen muss. Dies sollte als Evolution und nicht als Revolution verstanden werden.
Einzelne Projekte umsetzen
Die Delegierten stimmten mit übergroßer Mehrheit für die Fortführung des Zukunftsprozesses. Die Lenkungsgruppe wurde beauftragt, den weiteren Prozessverlauf verantwortlich zu begleiten. Der breit angelegte Partizipationsprozess mit den Regionalkonferenzen und den Beteiligungsgruppen ist nun zu Ende. Es wurden unglaublich viele Ideen gesammelt, geordnet, priorisiert und vertieft. Jetzt ist es an der Zeit, einzelne Projekte mit Experten zu besprechen und hier einen fachlichen und verbindlichen Rat für die Umsetzung einzuholen. Einige der geforderten  Entwicklungen können sicher ohne großen Aufwand auf der Hauptgeschäftsstelle umgesetzt werden, andere Prozesse bedürfen – beispielsweise aufgrund rechtlicher Implikationen – einer ernsthaften fachlichen Beratung.
Weil der Zukunftsprozess für den Schwarzwaldverein eine wichtige Weichenstellung ist, wurde die Tagesordnung der Delegiertenversammlung – erstmals überhaupt – über das Mittagessen hinaus verlängert. Nach der wohlverdienten Mittagspause begann der mit Spannung erwartete „Gallery Walk“. Ziel war es, innerhalb kurzer Zeit die Fülle von Ideen einer großen Gruppe zugänglich zu machen. Vor übergroßen Plakatwänden stellten die Sprecher der Beteiligungsgruppen erste Projektideen vor. Die Delegierten, die sich mit großem Interesse in die Diskussion stürzten, waren eingeladen, diese Vorschläge zu kommentieren. So wurde ein Stimmungsbild eingeholt, das durchaus ambivalent scheint.
Mehr zentrale Dienstleistungen
Ein großer Trend aus dem Beteiligungsprozess, der zumindest in den Arbeitsgruppen
„Identität“, „Image“, „Mitgliedschaft“, „Struktur“ und „Ressourcen“ gesehen wurde, zielt auf eine stärkere Bündelung der Kräfte ab. Damit einhergehen könnte ein breiteres Angebot an zentralen Dienstleistungen vom Hauptverein für die Ortsgruppen. Aber beispielsweise auch die Prüfung, wie denn die Mitgliedschaft im Schwarzwaldverein aufgebaut sein muss, so dass die Mitglieder auch
bei der Auflösung einer Ortsgruppe erhalten bleiben.
Zu diesem komplexen Handlungsbedarf gibt es durchaus unterschiedliche Ansichten. Einerseits wird die Notwendigkeit gesehen, dass sich der Verein strukturell und programmatisch erneuern muss; andererseits gibt es aber auch bei einigen Ortsgruppen eine große Skepsis gegenüber diesen Entwicklungen, weil befürchtet wird, dass die Eigenständigkeit der Ortsgruppen beschnitten wird. Diese Sorgen entkräftet Präsident Georg Keller ganz entschieden: „Die Ortsgruppen waren, sind und werden auch in Zukunft die Basis unseres Vereins bleiben. Um schlagkräftig zu sein, brauchenwir selbstverständlich die lokalen Organisationseinheiten. Trotzdem müssen wir versuchen, besser an einem Strang zu ziehen.“
Mirko Bastian, Der Schwarzwald, 03/2107