An die Scheren, fertig, los

Ein Gemeinschaftswerk: Helfer aus der Ortenau und dem Landkreis Freudenstadt pflegen zusammen die Grinden im Nationalpark Schwarzwald. Bereits im 14. Jahrhundert rodeten Landwirte die Bergkuppen. Foto: Rebecca Engstler
Zur Erhaltung der Grinden greifen Freiwillige bei der „Schliffkopfaktion“ zu Hilfsgeräten

„Finden, ummachen, rausziehen“, verkündet der Leiter des Fachbereiches Wald und Naturschutz des Nationalparks, Jörg Ziegler, die Devise der Schliffkopfaktion. Bereits zum 51. Mal finden sich am Samstagmittag auf dem Parkplatz „Schwarze Lache“ an der Schwarzwaldhochstraße zahlreiche große und kleine Freiwillige ein, um die Grinden, die als Besonderheit im Nordschwarzwald gelten, zu pflegen und zu erhalten.

„Die Fichten unten abzwicken und zerhacken und dann an die Straße vorziehen“, erklärt Jörg Ziegler den Helfern ihre Aufgabe. „Wir machen das, bis es regnet“, sagt Nationalparkleiter Wolfgang Schlund und lacht. Mit Heckenscheren, Hand- und Motorsägen ausgestattet, geht es ans Werk, um die auf den Grinden wachsenden Bäume auf einer Fläche von etwa zehn Hektar zu fällen. Von der Straße aus werden sie abtransportiert und in energetischer Verwertung zu Holzhackschnitzeln verarbeitet. „Für Weihnachtsbäume ist es ja noch ein wenig zu früh“, meint Charly Ebel, Leiter des Fachbereichs Besucherinformation des Nationalparks.

„Dieses Jahr ist es eher eine kleine Aktion“, erklärt Ebel. Nichtsdestotrotz ist wieder ein Pferderücker im Einsatz. Seit zwei Jahren ist der Oberkircher Tobias Vogt mit der Schwarzwälder Fuchsstute Ranka nebenerwerblich bei Aktionen wie dieser im Einsatz. „Das mit den Pferderückern hat in den vergangenen Jahren erst begonnen“, sagt Ebel. Im Vergleich zu schweren Schleppern würden Pferde den sensiblen Boden schonen und seien deshalb gern gesehene und erwünschte Helfer. Die Helfer sind mit Spaß, aber auch aus Überzeugung dabei. „Wenn es um die Pflege der Landschaft geht, wird viel geredet, aber wenige sind dazu bereit, aktiv mitzugestalten“, meint der Naturschutzbeauftragte des Landkreises Freudenstadt, Christof Latz, der seit dem Jahr 2000 bei der Schliffkopfaktion dabei ist. Auch die Försterin Ulrike Becker aus dem Kreis Freudenstadt packt mit an, bei der Schliffkopfaktion sei sie schon seit vier oder fünf Jahren dabei, erinnert sie sich. „Da kann man ruhig mal helfen“, findet auch die Freiwillige Scarlett Sanden, die dieses Jahr zum ersten Mal dabei ist und von der Schliffkopfaktion in der Zeitung gelesen hat. Die gemeinsame Pflege zur Wahrung der Grinden ist nicht nur Tradition. „Es ist eine gute Sache, wenn die Flächen freigehalten werden“, sagt Ruth Dörschel vom Alpenverein Freudenstadt. Schön findet sie auch, dass zur Grindenpflege Badner und Schwaben zusammenarbeiteten.

Die Grinden sind eine Besonderheit des Nationalparks Schwarzwald, die es zu wahren gilt. Bereits im 14. Jahrhundert rodeten Bauern die Bergkuppen, da sie sich ideal zur Beweidung eigneten und die Täler für die Landwirtschaft benötigt wurden, erklärt Wolfgang Schlund. Mit der Erfindung von Kunstdüngern und der eingeführten Stallhaltung endete die Almwirtschaft gegen Mitte des 19. Jahrhundert. Bis zum Ersten Weltkrieg seien die Grindeflächen unter den Bauern zur Mahd ausgelost worden, welche aufgrund ihres besonderen Nährstoffreichtums umkämpftes Gut gewesen sei. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Grinden sich selbst überlassen und wuchsen allmählich zu. Seit den 1960er Jahren seien es freiwillige Helfer von Bergwacht, Schwarzwaldverein und anderen Organisationen, die sich alljährlich zur Schliffkopfaktion treffen, um die Grinden offenzuhalten und wieder zu vergrößern: Waren einst mehr als 2 000 Hektar der Schwarzwaldgipfel waldfrei, so sind es heute nur noch etwa 200 Hektar.

Langfristig, so heißt es in einer Mitteilung des Nationalparks, sollen die Grinden entlang der Schwarzwaldhochstraße zwischen Alexanderschanze und Ruhestein zu einem durchgängigen Band zusammengeführt werden.

Acher- und Bühler Bote, 02.10.2017